Stiftung Humor und Gesundheit

2009
 
Projekt 1
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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UNTERSTÜTZTE PROJEKTE 2009
Beispiele von Projekten, die von der Stiftung im Jahr 2009 unterstützt worden sind ...
Projekt 1
«Die zwei Gesichter eines Clowns»

Der Zirkus Primavista ist auch ein sozialpsychiatrisches Projekt
DANIEL AENISHÄNSLIN (BaZ, 28. April 2009)

Noch heute und morgen ist Clown Pompom auf der Bühne des Zirkus Primavista in Arlesheim zu sehen. Er ist ein ungewöhnlicher Clown in einem ungewöhnlichen Zirkus. Und er hat in ein Leben zurückgefunden, das er schon verlassen wollte.

«Die Reaktionen auf unsere Arbeit sind sehr gut», sagt der 50-jährige Zsolt Todt aus Basel. Als Clown Pompom verbreitet er im Zirkus Primavista gute Stimmung. Nichts Selbstverständliches für ihn. Todt war schwer depressiv, «suizidgefährdet», fügt er an. Die Rolle des Pompom ist für ihn Therapie. Zsolt Todt stiess vergangenes Jahr zum Ensemble. «Auf Anraten meiner Psychotherapeutin.» Primavista ist ein regionales Zirkusprojekt, das von psychiatrieerfahrenen Menschen wie Todt realisiert wird. Ihnen zur Seite stehen professionelle Künstler und Artisten. Initiiert wurde es von Psychotherapeut Friedrich Kaiser. «Ich habe hier eine gewisse psychische Stabilität gefunden», sagt Todt, «es geht mir heute sicher besser.»

OHNE GRENZEN. «Humor kennt keine Grenzen - oder doch?», heisst das fünfte Programm des Zirkus Primavista. Für einmal ist das Ensemble nicht im Zirkuswagen von Dorfplatz zu Dorfplatz unterwegs. Am Samstag und Sonntag füllte es das Zelt des Zirkus Robiano in Arlesheim, genauer: In den Widen, mit seinem Programm der poetischen Zwischentöne. Auch heute und morgen stehen Auftritte an.

Todt möchte auch nächstes Jahr auf die Primavista-Bühne. Als Clown natürlich. Noch dieses Jahr wird er einen Clownkurs für Fortgeschrittene belegen. «Der Clown ist lustig», sagt er, «er ist ein Gegensatz zu meiner Person, den ich nicht mehr missen möchte.»

Seine Nummern hat er gemeinsam mit dem Liestaler Puppenspieler Michael Huber erarbeitet. «Wir haben beide unsere Ideen eingebracht, er zudem sein grosses Fachwissen», blickt Todt auf «die intensive Probezeit» zurück. Dreimal steht er auf der Bühne. In der Pause unterhält er das Publikum bei Bratwurst und Mineralwasser vor dem Zelt.

FÜR DIE SEELE. Mit einem Budget von 50 000 Franken muss das «sozialpsychiatrische Freizeitprojekt mit Humor, Magie und Zauberei» über die Runden kommen. Die Zahlen zeigen, dass auch die professionellen Künstler und Artisten nicht mehr als Spesen ausbezahlt erhalten. Kein Problem für die Clownin Monica Hary. Ihre Gage für diese «Herzensangelegenheit» sei die «Nahrung für die Seele», die sie hier erhalte.

Zsolt Todt, der tagsüber in einer geschützten Werkstatt sein Brot verdient, gerät ins Schwärmen: «Hier ist man nie allein. Das Ensemble ist zusammengewachsen.» Darin sieht er den Schlüssel zum Erfolg. Dass sein Zirkus Primavista nicht die Perfektion eines Circus Knie erreicht, sei sogar gut: «Bei uns ist alles ganz nah am Menschen, nicht so distanziert.»

Die Zirkusauftritte bei Primavista sind zu einem Highlight im Leben von Zsolt Todt geworden. «Zu einem innerlichen Highlight», wie der Clown präzisiert. «Die Auftritte erfüllen einen sehr wichtigen therapeutischen Zweck, der nicht zu unterschätzen ist». Vielleicht gerade, «weil es Freude macht, anderen Freude zu bereiten».

www.zirkus-primavista.ch